"Grüne Gründer" wollen die Welt nicht retten, aber doch etwas lebenswerter machen. Dazu setzen sie auf Nachhaltigkeit – und das mit wachsendem Erfolg. Wir stellen Ihnen Unternehmer vor, die aus innerer Überzeugung "grün" gegründet haben.
Für Anton Jurina und Martin Höfeler müssen Klamotten nicht nur stylisch aussehen und cool sein – für die beiden Kölner ist Mode eine Lebenseinstellung. Man trägt, was man ist. Jurina und Höfeler sind ökologisch inspirierte Revoluzzer. Mit ihrem vor drei Jahren gegründeten Modelabel haben sie nichts Geringeres vor, als den Modemarkt zu revolutionieren. Und damit jedem auf den ersten Blick klar wird, dass sie es ernst meinen, haben sie ihr Label Armedangels – bewaffnete Engel – genannt. "Unsere Waffe ist unsere Botschaft", sagt Jurina. "Wir machen junge, coole Mode, die unter anständigen Bedingungen hergestellt wurde, und zeigen somit, dass Style mit nachhaltiger Produktion funktioniert. Wir sind ein Beispiel dafür, dass man mit strategischem Konsum tatsächlich etwas verändern kann."
Ökologisch und nachhaltig
Hörte man solche Sätze früher von Umweltaktivsten, sind es heute mehr und mehr junge Unternehmer, die Botschaften dieser Art streuen. Aber es sind nicht die Aussagen, die beweisen, dass hier eine neue Generation von Gründern heranwächst. Es sind die Taten. Denn Grüne Gründer geben sich nicht – wie es viele Konzerne mittlerweile tun – einen grünen Anstrich, um ihr Image aufzupolieren. Grüne Gründer sind aus Überzeugung grün. Ihr gesamtes Geschäftskonzept basiert auf Ökologie und Nachhaltigkeit. So verkauft Armedangels nicht bloß ein paar T-Shirts aus Biobaumwolle. Das machen die Großen wie H&M oder C&A mittlerweile auch.
Während in den Kaufhäusern aber nur auf einem kleinen Teil des Sortiments ein Öko-Siegel pappt, geht bei Armedangels kein Stückchen Stoff über die Ladentheke, das aus konventioneller Baumwolle hergestellt ist. Hinzu kommt, dass Jurina und Höfeler nach den Kriterien des Fair Trade handeln, sprich faire Löhne zahlen und soziale Arbeitsbedingungen garantieren. Außerdem engagieren sich die jungen Unternehmer sozial. Von jedem verkauften T-Shirt geht ein Euro an ein Hilfsprojekt.
Im Trend: LOHAS
Dass seit geraumer Zeit immer mehr grüne Unternehmen an den Start gehen, ist in Zeiten von Klimawandel, Ressourcenverknappung und Umweltskandalen wie der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kein Wunder. Grün ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Immer mehr Menschen haben die Schnauze voll von rücksichtlosem Konsum und versuchen sich stattdessen in einem nachhaltigen, fairen und gesunden Lebensstil. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung der westlichen Länder gehören laut seriösen Schätzungen zu diesen sogenannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), Tendenz steigend.
Der Antrieb: Überzeugung statt Missionarstum
Seit Anfang 2009 entwickelt Thomas Sadlers Bio-Unternehmen Biotom werteorientierte Strategien und Konzepte für Betriebe der Außer-Haus-Verpflegung und unterstützt Gastronomen, Erzeuger, Verarbeiter, Hersteller und Händler aus der Bio-Branche für eine nachhaltige Gastronomie. Als Sadler im Rahmen seiner Gründung indes selbst Beratung brauchte, wurde er oft skeptisch angeschaut. "Vielen konventionellen Beratern fehlt einfach das Verständnis für Grüne Gründer", sagt der 34-Jährige. Da es aber gleichzeitig an speziellen Angeboten für Grüne Gründer mangele, habe er viel Zeit darauf verwenden müssen, um Gleichgesinnte zu finden. Und damit meint der Freisinger Unternehmer nicht nur Gründungsberater mit grünem Geist. "Es war kaum möglich, eine Druckerei in der Umgebung zu finden, die meine Visitenkarten auf Recyclingpapier drucken konnte", sagt er. Obwohl den Jungunternehmer Hürden dieser Art wurmen – er verbucht es als Erfolg, dass sich eine Druckerei auf seine Empfehlung hin Umweltpapier zugelegt hat. "Ich bin kein Missionar", stellt Sadler klar. Aber ein Mann mit Überzeugungen ist er, und eine dieser Überzeugungen lautet, dass man die Welt ein kleines Stückchen besser machen kann. Daran will Sadler teilhaben mit seiner Firma Biotom. Und zwar nicht nur in der Form, seinen Kunden Bio-Essen und nachhaltige Gastronomie schmackhaft zu machen. Das Unternehmen selbst soll nachhaltig geführt werden. Die Werte, die er anderen vermittelt, sind die Werte, die auch für ihn selbst gelten. "Ich verzichte lieber auf einen Euro Gewinn und kaufe dafür meine Büroartikel beim etwas teureren, aber grünen Anbieter", sagt der Unternehmer.
Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Supersonderpreis. Für die Grünen Gründer ist das selbstverständlich, und für ihre Kunden sollte es das auch sein. So zieht Armedangels-Chef Jurina jedem den Zahn, der seine Mode zu Discount-Konditionen haben möchte. "Wir können nicht mit dem Preisniveau einer Schnäppchen-Modekette mithalten", sagt der 31-Jährige. Aber das hat Armedangels auch gar nicht nötig. Dass sie Ihre T-Shirts außer im eigenen Internetshop mittlerweile auch in 130 stationären Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgreich verkaufen, zeigt, dass es genügend Konsumenten gibt, die gerne nachhaltig produzierte, langlebige und chice Kleidung tragen wollen und bereit sind, dafür ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Für diejenigen, die trotz der grünen Welle nach wie vor bloß etwas zum Anziehen brauchen, gibt es ja – da macht sich kein Grüner Gründer etwas vor – auch in Zukunft noch ein paar Discounter.
von Sabine Hölper Dies ist eine Kurz-Zusammenfassung eines Beitrags aus StartingUp. Als Abonnent können Sie die gesamte Artikel-PDF kostenlos im Digitalen Heftarchiv abrufen. >>> Weiter



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