GRÜNDEN IN DER KRISE
Ein Plädoyer für mehr Mut
GRÜNDEN IN DER KRISE

Sie denken über eine Gründung nach, zögern aber noch aufgrund der wirtschaftlich unsicheren Lage? Sie haben eine wirklich gute Geschäftsidee, glauben aber andererseits, dass Sie kein "Macher" sind? Fühlen Sie sich ertappt? Dann lesen Sie dieses Plädoyer für mehr Mut!

Ob es nun die viel beschworene Rezession ist, oder eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus: Man ist schnell bei dem Schlagwort "Gründen in der Krise". Doch wird hier nicht ein bisschen zu hoch gegriffen? Betrachtet man die psychologische Definition des Begriffs, so ist das wichtigste Merkmal einer Krise, dass sie der Betroffene nicht aus eigenen Kräften bewältigen kann. Doch muss er das überhaupt? Es gibt wertvolle Hilfsangebote: beim Businessplan, bei der Finanzierung und bei allem, was sonst noch nötig ist. Warum also nicht Unternehmer werden?

Kein Unternehmer ist je vom Himmel gefallen

Auch andersherum betrachtet wird ein Schuh draus: Wer beispielsweise dauerhaft keine Arbeit findet, dafür aber die Möglichkeit sieht, selbständig tätig zu werden, hat wohl keine bessere Wahl. Oft liegt die Zaghaftigkeit bei der Existenzgründung auch in dem Zweifel begründet, ob man das schaffen kann, ob man "zum Unternehmer geboren ist". Aber wer hat behauptet, man sei zum Angestellten geboren? Der Arbeitnehmerstatus ist zahlenmäßig dominierend in unserer Gesellschaft. Das Dasein als Unternehmer ist seltener anzutreffen, somit wird es automatisch als besonders empfunden. Dass ein Unternehmer besonders herausragende Talente und Fähigkeiten haben muss, wird zwar häufig angenommen – und ist natürlich hilfreich –, aber es ist keine Grundvoraussetzung. Zum erfolgreichen Unternehmertum gehören Wagemut statt allzu große Besonnenheit und nicht selten sogar eine gewisse Portion Frechheit.

Nicht zögern, sondern handeln!

Dennoch sollte man sich nicht Hals über Kopf ins unternehmerische Abenteuer stürzen. Risikobewusstsein bezüglich finanzieller und vertraglicher Verpflichtungen ist – besonders vor dem Hintergrund einer angekündigten Rezession – absolut angebracht. Wichtig ist es, den Grat zwischen tatenlosem Bedenkenträgertum und leichtsinnigem Aktionismus zu finden.

Informationsbeschaffung ist das A und O

Um herauszufinden, ob ein Gründungsvorhaben sinnvoll ist, verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über alles, was hierfür grundsätzlich notwendig ist. Erstellen Sie sich eine Liste der Vor- und Nachteile, die Ihnen die Gründung bescheren würde, und suchen Sie damit einen Gründungsberater auf. Begreifen Sie Ihr Zögern als einen dankenswerten Boten der Vorsicht, aber lassen Sie sich nicht beim ersten Zweifel von Ihrem Vorhaben abbringen. Sorgen Sie einfach für ein bisschen geistige Hygiene und gewöhnen Sie sich an, Probleme nicht gleich Krise zu nennen. Die beste Definition für Selbständigkeit ist: "Man macht es selbst – und das ständig!" Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass Sie als Selbständiger automatisch Einzelkämpfer sind und ohne Unterstützung auskommen müssen. Nur selbst beschaffen müssen Sie diese Hilfestellungen – und das ist machbar! Unter diesen Voraussetzungen kann aus einer krisenhaften Situation eine Erfolgsgeschichte erwachsen, oder – im Sinne des besonnenen Sprachgebrauchs – aus einer neuen Aufgabe ein gelungener Anfang werden.

von Sabine Korndörfer

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