DEUTSCHLANDS TOP-STARTER
Deutschlands Senkrechtstarter und deren Erfolgsrezepte
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Sie hatten den Mut, ihre Idee durchzusetzen - und der Mut wurde belohnt. Ihre Unternehmen, allesamt erst vor wenigen Monaten oder Jahren aufgebaut, werden von der Presse gefeiert. Warum, erfahren Sie in den folgenden Porträts über Deutschlands Senkrechtstarter.

Die portraitierten Unternehmer sind nicht die einzigen Senkrechtstarter Deutschlands. Aber die hier ausgesuchten stehen für eine neue Unternehmergeneration - mit flachen Hierarchien, offenen Bürotüren und unkonventionellen Lösungsansätzen. Doch anders als viele Start-ups vor sechs, sieben Jahren sind hier keine "Boygroups" am Werk, die frisch von der Uni oder der Schule kommend beweisen wollen, dass man zum Unternehmertum nicht viel mehr braucht als ein Notebook und ein lässiges Image. Die heutigen Gründer sind ein bisschen älter, mal Mitte zwanzig, mal Ende vierzig, oft in den Dreißigern. Sie haben Erfahrungen im Beruf gesammelt, sind charakterstark und abgeklärter. Lesen Sie die Erfolgsgeheimnisse der Start-Ups:

1-2-3.tv

Sitz: München
Gegründet: 2004
Geschäftsführer: Andreas Büchelhofer, Henning Schnepper, Peter Kuhl
Mitarbeiter: ca. 75

Das holländische Auktionsverfahren geht so: Eine große Anzahl gleicher Produkte wird zu einem Preis von z.B. 80 Euro angeboten. Alle paar Sekunden sinkt der Preis um einen Euro. Ab einer gewissen Preisschwelle interessieren sich die Kunden dann für das Produkt. Haben sich so viele Käufer wie Angebote gefunden, erhalten diese die Ware zum Endpreis, also zu dem Preis, der die letzten Käufer zum Zuschlagen animiert hat. Büchelhofer verkauft, oder besser auktioniert auf diese Weise alle möglichen Produkte, von der Bohrmaschine bis zum Nachthemd auf 1-2-3.tv, dem ersten Auktions-Fernsehsender in Deutschland. Dabei wird die Ware nicht ausschließlich im Preissturzmodell an den Mann gebracht, sondern auch mit Ein-Euro-Auktionen, wie viele sie von Ebay kennen. Die Idee zum Unternehmen hatte Büchelhofer in Großbritannien aufgeschnappt, wo ein ähnliches Format an den Start ging. Erst verfolgte er die Entwicklung kritisch, aber als er sah, wie die Idee einschlug, hat er sich an die Umsetzung von 1-2-3.tv gewagt. Mit Erfolg. Das Unternehmen wächst rasant, 2006 konnte es den Umsatz mit 67 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr verdoppeln, 2008 soll der Break Even erreicht sein. Weitere Investitionen vor allem im Bereich Internet und Service sollen noch mehr Kunden anziehen und ein jährliches Wachstum von 15 bis 20 Prozent einbringen.
Büchelhofers Erfolgsrezept: "Die Bereitschaft besitzen, eine 90-Prozent-Lösung als ausreichend und endgültig anzusehen. Hunderprozentige Lösungen sind selten."

Gameduell

Sitz: Berlin
Gegründet: 2003
Geschäftsführer: Kai Bolik, Boris Wasmuth, Michael Kalkowski
Mitarbeiter: ca. 75

Es sind nicht die Hardcore-Zocker, die sich auf www.gameduell.de duellieren. "Wir sprechen vom Studenten bis zum Rentner eine sehr breite Zielgruppe an", erklärt Kai Bolik, einer der drei Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Gameduell. Wahrscheinlich war es nur so möglich, dass sich Gameduell innerhalb weniger Jahre zu Deutschlands größter Spieleseite im Internet entwickelte. 6,5 Millionen registrierte Mitglieder treffen sich auf dieser Seite, um sich in Solitaire, Backgammon und Billiard zu messen. "Der Turnieraspekt ist das besondere an Gameduell", sagt Bolik. Dass der 40-Jährige und seine beiden Gründer-Partner selbst "keine passionierten Spieler" sind, hat dem Erfolg des Unternehmens nicht geschadet. Bereits neun Monate, nachdem die Seite online ging, war das Start-up erstmals profitabel. Pro Jahr setzt Gameduell "deutlich zweistellige Millionen-Beträge" um und erwirtschaftet einen "kleinen Gewinn". Mehr wird auch nicht angestrebt. "Wir investieren das Geld lieber in den Wachstum", erklärt Bolik. So soll Gameduell den Massenmarkt erreichen, und nicht nur in Deutschland, sondern weltweit führend sein. "Schließlich sind wir keine Kandidaten von der Uni, sondern erfahrene Internet-Unternehmer", sagt Bolik. Ein Grund auch, warum das Gründerteam 2003, als im Internetumfeld Eiszeit herrschte, Risikokapitalgeber von seiner Sache überzeugen konnte. Und ein Grund, so glaubt Bolik, warum Gameduell durchgestartet ist. "Die Erfahrung hilft, nicht endlos über alles zu diskutieren. Somit bleibt Zeit, sich über die wichtigen Dinge Gedanken zu machen."
Boliks Erfolgsrezept: "Die richtigen Leute auswählen, auch wenn das Geld knapp ist. Ein komplementäres Team ist wichtig."

multiBind biotech

Sitz: Köln
Gegründet: 2005
Geschäftsführer: Frank Bürger, Thomas Lisowsky
Mitarbeiter: 3

Frank Bürger hat sich schon häufig mit Vaterschaftstests beschäftigt - rein beruflich. Jetzt greift er das Beispiel auf, um verständlich zu machen, was seine Firma mulitBind biotech macht. "Bei einem Vaterschaftstest werden Erbmoleküle untersucht. Doch Mikroorganismen und störende Biomoleküle führen dazu, dass ein Test nicht immer eindeutig ist. Mit unsere Technologie gelingt es, die störenden Biomoleküle zu entfernen. Und somit ist garantiert, dass der Test fehlerfrei ist." Bürger stieß auf das mulitBind-Gründerteam, da war er noch Berater in einer Venture-Capital-Gesellschaft. Die Gründer waren auf der Suche nach eine Finanzier, fanden ihn - und Bürger sollte das Unternehmen als Coach begleiten. "Doch dann fand ich die Idee so gut, dass ich in die Firma eingestiegen bin", sagt der 38-Jährige. Was den Geschäftsmann so begeisterte und begeistert, ist, dass das Unternehmen mit bioDecont eine "revolutionäre Basistechnologie" zur Dekontamination und Desinfektion empfindlicher Oberflächen entwickelt hat. Durch die Weiterentwicklung gelinge es, Lösungen für verschiedene Anwendungsbereiche anzubieten. "Wir wollen und müssen in mehreren Märkten ankommen", sagt Bürger. Daher hat multiBind Entwicklungskooperationen mit Spezialisten abgeschlossen. Gemeinsam arbeiten sie daran, die Produkte zur Marktreife zu bringen. Derzeit bestehen zwei Kooperationen, in fünf Jahren werden es zehn bis 20 sein, schätzt Frank Bürger, und multiBind wird ein "Hidden Champion" sein.
Bürgers Erfolsrezept: "Man muss sich trotz der Arbeitsbelastung auch einmal die Zeit nehmen, die Gedanken schweifen zu lassen."

Xing

Sitz: Hamburg
Gegründet: 2003
Vorstandsvors.: Lars Hinrichs
Mitarbeiter: 109

Über Lars Hinrichs kann man keine Zeile schreiben, ohne einen Superlativ zu verwenden: Xing, das Unternehmen, das der Hamburger im Alter von 26 Jahren gegründet hat, ist Marktführer in Europa, verfügt über einen höheren Anteil an zahlenden Kunden als jedes andere Social-Network der Welt, ist bis heute das einzige Web2.0-Unternehmen, das an die Börse gegangen ist. Aber der Reihe nach: Am Anfang des Unternehmens mit Hauptsitz in Hamburg und Standorten in Barcelona und Peking stand ein Buch: "The tipping point - wie kleine Dinge Großes bewirken können". Das Buch und der "Wunsch, die Kontakte meiner Bekannten sichtbar zu machen und sie voneinander geschäftlich profitieren zu lassen, brachte mich auf die Idee zu Xing", sagt Hinrichs. Und so startete er mit 472 persönlichen Kontakten sein Unternehmen, damals noch unter dem Namen OpenBC. Die Idee schlug ein wie eine Bombe. Immer mehr Menschen stellten ihr Profil auf die Webseite, suchten über Xing-Kunden, Aufträge, Mitarbeiter, neue Vertiebskanäle - oder einfach nur alte Bekannte. Mittlerweile nutzen mehr als 4,25 Millionen Mitglieder das Portal, zum Teil registriert als Basis-Mitglieder, andere als Premium-Mitglieder. Letztere zahlen rund sechs Euro im Monat - und können dafür Extra-Leistungen, wie zum Beispiel das Einsehen und Einstellen von Stellenangeboten, in Anspruch nehmen. Hinrichs, der schon einmal ein Unternehmen gründete und damit Pleite ging, weiss um die Schwierigkeit, eine Firma dauerhaft oben zu halten. Damit das mit Xing gelingt, hat Hinrichs als wichtigstes Ziel ausgegeben, "profitabel zu wachsen und das Netzwerk auf globaler Ebene auszubauen". Neue Angebote wie beispielsweise die Kategorie Immobilie sollen die Attraktivität für die Mitglieder weiter steigern.
Hinrichs Erfolgsrezept: "Am Anfang eines Projektes sollte man versuchen, die Kosten so gering wie möglich zu halten."

von Sabine Hölper

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