AUSLANDSGESCHÄFTE
Auslandsmärkte erobern
AUSLANDSGESCHÄFTE

Es hat nur selten etwas mit Abenteuerlust zu tun, wenn deutsche Unternehmen bereits kurz nach der Gründung den Schritt ins Ausland wagen. Es gilt vielmehr: Wenn die Strategie stimmt, tun sich dort wertvolle Absatzmärkte auf.

Krisen allein sind kein Hinderungsgrund

Immer mehr Unternehmer steigen bereits kurz nach der Firmengründung in Auslandsmärkte ein. Laut Dr. Manfred Gößl, Leiter der Außenwirtschaftsabteilung der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, ist das eine gute Strategie, der Experte rät vor allem Unternehmen, die eine Nische besetzen, zur frühen Expansion ins Ausland. "Über den Daumen kann man sagen: Je kleiner die Nische, desto wichtiger ist es, beizeiten internationale Märkte anzusteuern", sagt Gößl. Für Anbieter von Hightech-Produkten könne es gar sinnvoll sein, "sofort" zu internationalisieren. Auf keinen Fall, so Gößl weiter, sollte man angesichts der Wirtschaftskrise und des dramatischen Exporteinbruchs im Frühjahr 2009 – mit minus 30 Prozent so stark wie nie zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – geplante Internationalisierungsvorhaben auf Eis legen. Denn erstens sei im April 2009 der Tiefpunkt erreicht worden, seither ziehe die Nachfrage nach Produkten aus Deutschland wieder an. Zweitens sollte sich ein Gründer grundsätzlich nicht "von Monatszahlen verunsichern" lassen. "Wenn die Entscheidung, ins Ausland zu gehen, grundsätzlich richtig ist, dann ist sie das auch jetzt", so Gößl. Und sie ist richtig. Schließlich ist der deutsche Markt schnell gesättigt, Wachstum ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch außerhalb der Grenzen möglich.

Welcher Markt zuerst?

Die Beantwortung dieser Frage ist schon deshalb schwer, weil es eine Theorie gibt – und die Praxis. Die Theorie besagt, dass man in "konzentrischen Kreisen" expandiert: Demnach sucht man sich als Einstiegsmarkt nicht gerade die USA oder China aus, sondern Länder in der Umgebung. Die räumliche Nähe zu Deutschland hält nicht nur die Transportkosten und mögliche Reisekosten der Geschäftsleitung niedrig. Hinzu kommt, dass die Kultur der europäischen Nachbarn der der Deutschen recht nah ist, in manchen Ländern wie Österreich oder der Schweiz wird sogar Deutsch gesprochen. Ein weiterer Grund für einen Einstieg in Europa ist die gemeinsame Währung. Und Zollformalitäten oder andere bürokratische Erfordernisse sind dank des gemeinsamen Binnenmarktes ebenfalls gering.

Wenn der Inlandsmarkt an sich zu klein ist

Und dann kann man auch noch im großen Stil expandieren – weltweit von der ersten Stunde an, so wie es Ingolf Beder und Dirk Frohne gemacht haben. Seit der Gründung ihres Unternehmens KID Broadcast im Jahr 2002 war für die beiden klar, dass sie ihre Hightech-Geräte für Rundfunk, Fernseh- und Tonstudios weltweit vermarkten wollen. "Unsere Produkte können überall verwendet werden, und der deutsche Markt ist für uns als Anbieter von Sonderanfertigungen definitiv zu klein", erklärt Beder die Entschlossenheit, früh über alle Grenzen hinaus aktiv zu werden. Der Plan der jungen Unternehmer ging auf: Sommer Cable, ein großer Kabelhersteller aus dem Schwarzwald, wurde auf die brandenburgische Firma aufmerksam. Die Folge: Bereits im Jahr 2004, und damit nur zwei Jahre nach Gründung von KID, erhielten rund 70.000 Kunden auf der ganzen Welt die Chance, Steckverbindungen oder Verteilertechnik aus Brandenburg zu ordern. Das Disneyland in Paris und ein Radiosender in Südafrika gehörten zu den ersten, die bestellten.

Erst analysieren, dann loslegen

Dass Fleißarbeit unerlässlich ist, wenn man sich im Ausland engagieren will, weiß auch Fabrice Schmidt. "Man muss den Markt, in dem man agieren will, gründlich erforschen", sagt der Mitgründer und Mitgeschäftsführer des Erlebnisgeschenkeportals Mydays, das im letzten Jahr in fünf europäischen Ländern mit eigenen Webseiten gestartet ist. Schmidt und seine Mitarbeiter haben deshalb im Vorfeld der Internationalisierung eine umfassende Analyse über potenzielle Märkte erstellt. Im Anschluss daran galt es, für jedes anvisierte Land die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen kennen zu lernen. Insbesondere mit den Vorschriften zur Umsatzsteuer sollte man sich vertraut machen, bestätigt Gößl die Vorgehensweise.

Beratung und Finanzspritze

Aber um solche Fragen zu klären, gebe es ja Anlaufstellen wie beispielsweise die Handels- und Handwerkskammern. Diese stellen jungen Unternehmern – oft kostenlos – wichtige Informationen zur Verfügung, beraten und unterstützen sie. Zum Gelingen beigetragen habe aber nicht nur der Berater, so Fabrice Schmidt, sondern auch die finanzielle Unterstützung, die im Rahmen des Programms "Go International" obligatorisch ist. Mit den Fördergeldern konnte das Unternehmen einen Teil der Marketingaktivitäten und der Übersetzungskosten finanzieren.

von Sabine Hölper

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